Wer keine Zeit hat, hat auch keine Wirkung.
Zeitkompetenz für Führungskräfte ist die vielleicht unterschätzteste Kompetenz von allen, sagt Zeitforscher Jonas Geissler: die Fähigkeit, sich Zeit für die Zeit zu nehmen – statt nur schneller zu werden.
Das klingt hart. Aber denk kurz darüber nach: Eine Führungskraft, die von Termin zu Termin gehetzt wird – wann führt sie eigentlich? Wann denkt sie? Wann entscheidet sie etwas Wichtiges, statt nur Dringendes abzuarbeiten?
Ein Team im rasenden Stillstand – ständig beschäftigt, hoch fragmentiert – wann schöpft es Wert?
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–> Zum Video „Was Zeit wirklich ist und warum sich Benjamin Franklin geirrt hat“
Wirkung braucht Zeit. Das gilt für Einzelne, für Teams, für ganze Organisationen. Eine Banalität, eigentlich. Und trotzdem: Wir reden laufend über Zeit – aber wenn wir entscheiden, denken wir sie fast nie mit.
Alles hat seine Zeit – die Natur macht es vor
Die Lösung steht schon in der Bibel: Alles hat seine Zeit. Das Säen und das Ernten, das Arbeiten und das Ruhen. Die ganze Natur ist so organisiert – und kleine Erinnerung: Wir sind auch Natur.
Nimm den Geparden. Unglaublich schnell – aber nur, weil er sich vorher ausgeruht hat. Er überlebt nur, weil er sich auf die Zeiten seiner Beutetiere einstellt. Mal Vollgas, mal Lauern, mal Schlafen. Das Prinzip dahinter: gelebte Zeitvielfalt.
In Organisationen haben wir das verlernt. Wir behandeln Zeit wie ein Fließband: Zahnräder, die man immer ein bisschen schneller drehen kann. Für Maschinen stimmt das. Aber die wirklich wesentlichen Dinge in einem Unternehmen laufen nicht wie ein Fließband: ein schwieriges Gespräch, eine tragfähige Entscheidung, Vertrauen, das beim Kunden langsam wächst, eine Idee, die reifen muss. Sie alle haben ihre eigene Zeit – und die kann man nicht beliebig beschleunigen, ohne dass etwas Essentielles verloren geht.
Zeitkompetenz für Führungskräfte heißt: von der Zeit her denken
Wer das versteht, geht zeitintelligent vor – und denkt von der Zeit her, statt sie irgendwie in den Kalender zu quetschen. Ein Beispiel: Du musst als Führungskraft ein schwieriges Mitarbeitergespräch führen. Drei Zeit-Fragen sind dafür entscheidend:
Welchen zeitlichen Rahmen braucht es, damit das Gespräch gut wird? Wie gestaltest du diese Gesprächszeit konkret? Und wann genau findet sie statt – und vor allem: Was findet gleichzeitig nicht statt?
Denn wenn du nicht über deine Zeit entscheidest, wirst du entschieden.
Genau das ist eine Kompetenz. Zeit ist die Voraussetzung dafür, dass alles andere überhaupt wirken kann: Eine Führungskraft kann nur gut führen, wenn sie die Zeit dafür hat. Ein Ingenieur ist nur innovativ, wenn er die Zeit dafür hat. Ein Team entfaltet sein Potenzial nur, wenn es die Zeit dafür hat.
Woran du erkennst, dass du dir dringend Zeit für die Zeit nehmen solltest? Wenn du ständig den Satz sagst oder hörst: „Sorry, keine Zeit.“ Das Paradoxe daran: Gerade die, die keine Zeit haben, brauchen das Thema am dringendsten.
Darum geht’s im Video
Im Video zeigt Jonas Geissler, warum Zeitkompetenz für Führungskräfte kein Soft Skill ist, sondern die Voraussetzung für Wirksamkeit, Resilienz und Innovationskraft – mit dem Geparden als Lehrmeister, dem Fließband als Irrtum und drei Fragen, die jedes wichtige Gespräch verändern. Mehr davon auf dem YouTube-Kanal von Jonas Geissler – und vertieft im SPIEGEL-Bestseller „Alles eine Frage der Zeit“, gemeinsam mit Harald Lesch.
Wie die Zeitkultur in Organisationen konkret entwickelt wird