Nachspielzeit: Jonas Geissler in der Sportschau

Sportschau-Beitrag über Takt, Rhythmus und Zeit im Fußball
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Acht Sekunden hat der Torwart für den Abschlag. Der Videoassistent brauchte bei der WM einmal fast acht Minuten für eine Entscheidung. In einem Beitrag der Sportschau von Tom Theunissen durfte ich meine Gedanken dazu beisteuern: Warum der Fußball die Uhr immer enger dreht, was dabei mit dem Rhythmus passiert.

Sportschau · Sport inside · „Optimieren, verkürzen – Fußball und die Zeit“ · Beitrag von Tom Theunissen · 12 Minuten (Jonas Geißler ab 00:35)

 

 

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Im Fußball wird heftig an der Uhr gedreht

Acht Sekunden für den Abschlag, fünf für den Einwurf, zehn für den Wechsel. Es wird geregelt, gemessen, kontrolliert. Der Zeitgott Chronos hält in Form des Taktes zunehmend Einzug ins Spielgeschehen.

Solche Vertaktungen erzeugen im Fußball, wie in der übrigen Lebensrealität, oft widersprüchliche Zeitsituationen. Im WM-Spiel Belgien gegen Senegal dauerte es 7 Minuten und 52 Sekunden, bis der Schiedsrichter mit dem Videoassistenten eine Entscheidung fällte. Die Szene wurde dabei 28-mal wiederholt. Währenddessen standen 22 Spieler auf dem Platz und warteten, und mit ihnen Zehntausende von Zuschauern.

Die Nettospielzeit liegt bei einem Bundesligaspiel im Schnitt bei 58 Minuten. Der Rest ist Stehen, Warten, Aufstellen, Wechseln etc. Das sind die weniger aktiven Zeiten, die es als Kontrast zum tatsächlichen Spielgeschehen braucht. Sie gehören dazu und verleihen dem Spiel Rhythmus.

Hartmut Rosa beschreibt in seinem neuen Buch „Situation und Konstellation“ das Verschwinden des Spielraums und führt als Beispiel den VAR an. Wo früher situativ gehandelt wurde, wofür Fingerspitzengefühl, Augenmaß und Urteilskraft notwendig sind, wird der Schiedsrichter nun zum Vollziehenden einer Regel, die woanders entschieden wird.

Doch was ist mit dem Zeitgott Kairos – dem Gott des rechten Augenblicks, der sich nicht in Regeln pressen lässt und ein flatterhaftes Dasein führt? Fördert eine zunehmende Vertaktung des Spiels denn auch seinen Rhythmus? Entstehen dann überhaupt noch die magischen Momente, die das Spiel so attraktiv machen? Das sind Fragen, die auch über den Fußball hinaus mit Blick auf unser Leben und unsere Arbeitssituationen eine lohnende Antwort liefern können. Wer nur auf Beschleunigung schielt und die Zwischenzeiten weglässt, ist am Ende vor allem eines: erschöpft.

Zeitkultur in Ihrer Organisation gestalten

Die Fragen aus dem Beitrag betreffen nicht nur den eigenen Alltag. Auch in Organisationen entscheiden Erwartungen, Strukturen und Führung darüber, ob Menschen ihre Zeit lediglich füllen oder wirksam gestalten können. In meinen Keynotes, Workshops und Transformationsbegleitungen mache ich diese Muster sichtbar und entwickle mit Führungskräften und Teams neue Zeiträume für wirksame Arbeit.

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