{"id":3309,"date":"2022-12-15T14:07:50","date_gmt":"2022-12-15T12:07:50","guid":{"rendered":"https:\/\/jonasgeissler.de\/timesandmore\/?p=3309"},"modified":"2022-12-15T14:07:52","modified_gmt":"2022-12-15T12:07:52","slug":"zeitspiel-kann-man-zeit-nachspielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jonasgeissler.de\/timesandmore\/zeitspiel-kann-man-zeit-nachspielen\/","title":{"rendered":"Zeitspiel &#8211;  Kann man Zeit nachspielen?"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein Artikel von Karlheinz Gei\u00dfler, erschienen in der Zeitschrift Universitas 11\/2022)<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/jonasgeissler.de\/timesandmore\/wp-content\/uploads\/Nachspielzeit_Universitas_timesandmore_Karlheinz-Geissler_11_2022.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">(Artikel als pdf)<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDie Leute wissen was sie tun; h\u00e4ufig wissen sie, warum sie das tun, was sie tun; was sie aber nicht wissen, ist, was ihr Tun tut\u201c. (Michel Foucault)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>***<\/p>\n\n\n\n<p>Am 20. November 2022 beginnt im Golfstaat Katar die 22. Fu\u00dfballweltmeisterschaft. In Deutschland startet sie demnach am Totensonntag und endet drei Tage vor Winterbeginn und sechs Tage vor Heiligabend. Vieles ist bereits dar\u00fcber berichtet worden, von den Bestechungsvorw\u00fcrfen bei der Vergabe der Spiele \u00fcber die vielen Toten auf den Stadionbaustellen bis hin zu den diskriminierenden Gesetzen gegen Frauen und Homosexuelle und die mutma\u00dfliche Unterst\u00fctzung von Terrorgruppen.<\/p>\n\n\n\n<p>Karlheinz Gei\u00dfler interessiert allerdings das bisher Unthematisierte. Bei den meisten Spielen wird es eine Nachspielzeit geben. Es wird sie geben, ohne dass gekl\u00e4rt w\u00e4re, ob man Zeit \u00fcberhaupt nachspielen kann. Die Betrachtungen des Zeitforschers sind so originell, dass viele Fu\u00dfballfans sie vermutlich als satirisch \u00fcberzeichnet betrachten w\u00fcrden. Dass der Nach- spiel-Fu\u00dfball den faustischen Traum am Leben h\u00e4lt, der Tod h\u00e4tte nicht das letzte Wort, die menschliche Verg\u00e4nglichkeit k\u00f6nne, wenn schon nicht \u00fcberwunden, so doch durch einen Zeitzuschlag hinausgez\u00f6gert werden, ist ein Gedanke, der auf die Quintessenz seiner \u00dcberlegungen hinf\u00fchrt: Die Wahrheit liegt nicht auf dem Platz und vermutlich auch nicht darunter, sondern tiefer. Wenn man also in Erfahrung bringen will, was echte Nachspielzeit ist, sollte man mal wieder auf einen Friedhof gehen, um jenen nahe zu sein, die dort, gestrichen aus dem G\u00e4stebuch der Zeit, ihre nach oben offene Nachspielzeit zubringen.<\/p>\n\n\n\n<p>***<\/p>\n\n\n\n<p>Vieles macht der Mensch weil er es kann, anderes macht er, ohne sicher zu sein, ob er es wirklich kann. Dazu geh\u00f6rt das Zeitsparen und dazu geh\u00f6rt auch das Nachspielen von Zeit. Dies ist inzwischen nicht nur in England, dem Mutterland des Fu\u00dfballs, \u00fcbliche Praxis, sondern auch in Deutschland, wo diese Institution \u201eNachspielzeit\u201c hei\u00dft. Lassen sie uns von der Trib\u00fcne auf das Spiel zweier um den Ball rivalisierender Mannschaften schauen, um eine Antwort auf die Frage zu finden, ob man Zeit wirklich nachspielen kann. Fu\u00dfballspieler und Fu\u00dfballfans stellen sich diese Frage nicht. F\u00fcr diese ist sie beantwortet, weil es sie gibt und weil sie praktiziert wird. Den Fans im Stadion mag dies gen\u00fcgen, au\u00dferhalb des Stadions befriedigt dieses Argument nicht jeden und jede.<br><br><\/p>\n\n\n\n<p>Machen wir daher aus der Normalit\u00e4t der Nachspielzeit etwas Erstaunliches. Gehen wir zu ihr auf Distanz, wundern und fragen wir uns, warum es beim Schicksalsdrama \u201eFu\u00dfball\u201c eine Nachspielzeit gibt, im wahren Leben aber nicht? Die Antwort verlangt, um an Erfahrungen und Erkenntnissen reicher zu werden, den Besuch eines Fu\u00dfballmatches in einem Stadion. Nicht, um sich dort von schwitzenden M\u00e4nnern oder Frauen unterhalten und aufzuregen zu lassen oder um unter Sportgenossen zu sein, die sich aufregen, vergn\u00fcgen oder auch schimpfen, sondern um erkennen und beobachten zu k\u00f6nnen, wie eine Gesellschaft tickt und wie ihre temporalen Ordnungsmuster \u201egestrickt\u201c sind, in der das Fu\u00dfballspiel, die \u201esch\u00f6nste Nebensache der Welt\u201c, den Status eines Kultes besitzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Was den Fu\u00dfball so attraktiv macht, dass er zur Sportart mit der gr\u00f6\u00dften Aufmerksamkeit und zu einem gesellschaftlichen Massenph\u00e4nomen werden konnte, ist ein R\u00e4tsel, obgleich Erkl\u00e4rungen und Deutungen daf\u00fcr kursieren. Viele Stadionbesucher, wahrscheinlich sogar eine Mehrheit, wissen es selbst nicht. Lassen Sie uns spekulieren: Vielleicht gehen sie ja hin, um dabei zu sein und zuzusehen, wie zwei den Sieg anstrebende Mannschaften etwas ganz und gar Ungew\u00f6hnliches tun, wie sie Zeit nachspielen. \u2028<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht selten wird das Fu\u00dfballspiel als Spiegelbild der Gesellschaft gesehen und verstanden. Das trifft weniger auf den Profifu\u00dfball und die dort \u00fcblichen Verdienstm\u00f6glichkeiten zu, mehr hingegen f\u00fcr das Regelsystem. Um das nicht allzu komplexe \u201eSystem\u201c Fu\u00dfball mit der gesellschaftlichen Lebenswelt<\/p>\n\n\n\n<p>jenseits der Stadien zu vergleichen, muss man nicht zwingend dar\u00fcber informiert sein, wer auf dem Rasen gerade gegen wen spielt. Wissen aber sollte man, nach welchen Regeln das Spiel verl\u00e4uft.\u2028Franz Kafka, dem wir kluge, zuweilen aber auch Texte und Formulierungen, die man am besten mit dem Adjektiv \u201ekryptisch\u201c beschreibt, zu verdanken haben, notierte am 16. Oktober 1921 in seinem Tagebuch: \u201eDas Ungl\u00fcck eines fortw\u00e4hrenden Anfangs, das Fehlen der T\u00e4uschung dar\u00fcber, dass alles nur ein Anfang und nicht einmal ein Anfang ist, die Narrheit der andern, die das nicht wissen und zum Beispiel Fu\u00dfball spielen, um endlich einmal \u201evorw\u00e4rts zu kommen.\u201c Auf wen oder was, fragt man sich, spielt der Versicherungsangestellte Franz Kafka mit seinem Hinweis auf die Fu\u00dfball spielenden Narren, die sich m\u00fchen, \u201evorw\u00e4rts zu kommen\u201c, an? Er l\u00e4sst uns auch in diesem Fall, wie er es oft tut, r\u00e4tseln. Unterstellen wir ihm, was er h\u00e4ufig bewiesen hat, gro\u00dfe F\u00e4higkeiten zum Weitblick, k\u00f6nnten wir annehmen, dass seine Bemerkung, lange bevor sie geschrieben wurde, auf die Regelerg\u00e4nzung \u201eNachspielzeit\u201c bei den Fu\u00dfball spielenden Narren zielt. Und dass er die Frage aufwirft, wieviel heimlicher Wahnsinn eigentlich in der schlichten Normalit\u00e4t des Fu\u00dfballspiels \u2013 2 x11 Spieler, zwei Tore, ein Ball \u2013 verborgen ist? Fragen wir den Zeitgeist. Die Nachspielzeit kennt jeder Fu\u00dfballfan, niemand aber wundert sich, keiner fragt: Gibt es die eigentlich? Wohin kommt man \u2013 \u201evorw\u00e4rts\u201c wie Kafka mutma\u00dft \u2013 oder wohin sonst, wenn man Zeit nachspielt?<\/p>\n\n\n\n<p>Eignet sich die Zeit eigentlich f\u00fcr das Abenteuer eines Nachspiels? Kann man mit Zeit so verfahren, wie V\u00e4ter oder M\u00fctter es tun, wenn sie ihren Nachwuchs in eine Karre setzen, diese ans Fahrrad h\u00e4ngen und damit in die Kita fahren? Eine Frage, die sich seit einigen Jahrzehnten \u2013 genau: seit 1987 \u2013 weniger den Spielern als aufmerksamen und zeitbewussten am Rande des Spielfeldes stehenden Beobachtern des Fu\u00dfballspiels stellt. Stadionbesucher sind mit diesem R\u00e4tsel ebenso konfrontiert wie die gro\u00dfe Zahl von Fu\u00dfballfreunden vor den Bildschirmen \u201edrau\u00dfen im Lande\u201c (Helmut Kohl). Tr\u00fcbt die emotionale Anteilnahme an der Kickerei ihnen nicht den kritischen Blick und den wachen Geist, dann stellt sich die Frage: Wie lange dauert ein Fu\u00dfballspiel eigentlich, wenn die gewohnte Zeitordnung entgleist und es nicht mehr sicher ist, dass, wie es die Regel vorschreibt, der Schiedsrichter nach 90 Minuten durch drei deutliche Pfiffe das Ende des Spiels mit dem Ball verk\u00fcndet? Es handelt sich da- bei um eine weitreichende, geradezu existentielle Frage, auch, weil sich im einst harmlosen und relativ einfachen Fu\u00dfballspiel gesellschaftliche Dynamiken und Verh\u00e4ltnisse wie in einem Brennglas konzentrieren und spiegeln. Das Fu\u00dfballspiel ist n\u00e4mlich ein Abbild unserer real existierenden Leistungsgesellschaft, ihrer Mysterien, Stimmungen und ihrer Trends. Grund genug, die kurz vor der Jahrtausendwende beschlossene Einf\u00fchrung des Schicksaldramas \u201eNachspielzeit\u201c ins offizielle Regelwerk des Spielgeschehens nicht unkommentiert und unbefragt zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Arenen des Sports, in denen die Dramen der Nachspielzeit aufgef\u00fchrt werden, sind privilegierte Orte. In ihnen d\u00fcrfen die Spielr\u00e4ume und die Verhei\u00dfungen menschlicher K\u00f6rper und ihr durch Regeln eingez\u00e4untes Aufeinandertreffen \u00f6ffentlich gezeigt, verhandelt und ausprobiert werden. Beim Spektakel eines Fu\u00dfballspiels hetzen 22 Spieler, gut bezahlte Fu\u00dfwerker, einem Ball hinterher und testen dabei unter Ernstbedingungen elementare Dynamiken der Illusionsproduktion des herrschenden Zeitgeistes. Die Nachspielzeit ist dabei ein spielerisches Experimentieren mit dem, was allen Zuschauern und Zuschauerinnen bevorsteht, ihrem drohenden Ende. Im Anfangen, vor allem aber im Beenden sieht der aufgekl\u00e4rte und liturgiearme Mensch der Sp\u00e4tmoderne die Ausformung dessen, was er \u201eFreiheit\u201c nennt. Das unvermeidliche Ende, dem auch der flei\u00dfigste Zeitsparer und der kreativste Zeitmanager nicht entkommen, erschreckt und macht Angst. Die Existenz einer Nachspielzeit entlastet davon. Sie reduziert das Bedrohliche des unvermeidlichen Endes durch die Hoffnung, es lie\u00dfe sich vielleicht doch noch etwas machen. Das Sportereignis \u201eNachspielzeit\u201c wird zur Probeb\u00fchne eines Zeitexperiments das aus dem Substantiv \u201eZeitzeugen\u201c einen Imperativ macht. Die Arena wird zum Testlabor sozialer Ordnungs-, Disziplin- und Effizienzvorstellungen f\u00fcr die Welt jenseits der Stadiontore. Selbst f\u00fcr Zeitgenossen, die dem Fu\u00dfball- spiel nicht allzuviel abgewinnen k\u00f6nnen, liefert das Geschehen auf dem Rasen dramaturgisch interessante Vor- und Abbilder.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Welt des Fu\u00dfballs kann man, wie in der Gesellschaft auch, ins Abseits geraten und, auch das kennt die Gesellschaft, es wird jenen, die auf dem Rasen im Abseits stehen, nicht geholfen, sie werden hinge- gen f\u00fcr ihren falschen Standpunkt bestraft. Ohne gro\u00dfe Diskussionen und schon gar nicht in einem demokratischen Entscheidungsprozess hat der internationale Fu\u00df- ball beispielsweise das seit ewigen Zeiten gleich gebliebene kosmische Zeitma\u00df \u201eTag\u201c, definiert als Abstand zwischen zwei vergleichbaren Sonnenst\u00e4nden, j\u00fcngst verl\u00e4ngert. Ein Spieltag besteht heute aus drei Wochentagen. Er dauert von Freitag bis Sonntag und manchmal sogar bis Montag.<\/p>\n\n\n\n<p>Die B\u00fchne des sportlichen Wettkampfes bietet das \u00dcbungsfeld, etablierte gesellschaftliche Konventionen und Regeln zu best\u00e4tigen oder sie au\u00dfer Kraft zu setzen. Sie er\u00f6ffnet zugleich das Experimentierfeld f\u00fcr ein Probehandeln, auch das f\u00fcr eine alternative Zeitordnung. Der hochattraktive Fu\u00dfballsport liefert f\u00fcr die sp\u00e4tmoderne Wettbewerbsgesellschaft anschluss- f\u00e4hige Vorlagen und Muster f\u00fcr das stets an Erwartungen \u00fcberfrachtete Zeit- handeln und probiert es aus. Das hat bereits der gro\u00dfe franz\u00f6sische Philosoph Jean-Paul Sartre erkannt. Von ihm stammt die auch f\u00fcr die Politik zutreffen- de Erkenntnis: \u201eBei einem Fu\u00dfballspiel kompliziert sich alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft\u201c. Doch nicht nur franz\u00f6sische Intellektuelle, auch ganz normale Stadionzuschauer sehen in dem Spiel mit dem Ball die gesellschaftlichen und zeitpolitischen Probleme und die ungekl\u00e4rten R\u00e4tsel der eigenen Existenz wie in einem Brennglas zentriert. Sie sehen sie auf dem gr\u00fcnen Rasen abgebildet und unter teilnehmender Beobachtung verhandelt. Vor allem trifft dies auf das Zeitverstehen und den Umgang mit Zeit zu. Auf dem von Markierungen unterteilten Rasen der Arenen wird in der Gemeinschaft Gleichgesinnter emotional ausgelotet und ausgelebt, was jenseits der Sportarenen als Wunsch, Hoffnung, Illusion, Sehnsucht und uneingel\u00f6stem Versprechen existiert. Das kann deshalb in einer spielerischen Form geschehen, weil das Stadion, findet die Auff\u00fchrung keinen Gefallen, problemlos verlassen werden kann. F\u00fcr die gesellschaftliche Arena trifft dies nicht zu. Das Leben ist nun mal kein Spiel, das Spiel jedoch Teil des Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr als ein halbes Jahrhundert sind vergangen, als der die Deutsche Fu\u00df- ball-Nationalmannschaft 1954 zum Weltmeister-Titel coachende Trainer- fuchs Sepp Herberger die schlichte Weisheit des Fu\u00dfballspiels ausplauderte: \u201eDer Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten\u201c. Diese Selbstverst\u00e4ndlichkeit ist heute keine mehr. Der Ball ist zwar immer noch rund, aber bunter, und die Zeiten des Spiels sind es auch. Wer heute am Fu\u00dfballspiel interessiert ist, schaltet weder im Stadion noch vor dem Fernseher oder auf dem Tablet oder Handy ab, wenn 90 Minuten vergangen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Fu\u00dfballspiel, von dem Herberger behauptet, dass es 90 Minuten dauert und danach abgerechnet wird, gibt es nach Erg\u00e4nzung des offiziellen Regelwerks der FIFA durch die Zeitinstitution \u201eNachspielzeit\u201c nur noch in seltenen F\u00e4llen. Was ist geschehen, wie ist es dazu gekommen, und was bedeutet es, dass es dazu gekommen ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Stellen wir uns mit guter Sicht auf das Geschehen im Mikrokosmos der Kickerei an die Seitenlinie, oder besser noch, nehmen wir auf den oberen R\u00e4ngen der Trib\u00fcnen Platz und beobachten das Geschehen w\u00e4hrend des regelkonformen Zeit-Mysteriums \u201eNachspielzeit\u201c aus einer h\u00f6heren Position und fragen: \u201eWas geht hier eigentlich vor?\u201c Schauen wir also genauer hin und erkunden durch Zeitanschauung von oben, wie Zeit nachgespielt wird und was eigentlich wirklich geschieht, wenn, wie immer wieder behauptet, \u201eZeit\u201c nach- gespielt wird?<\/p>\n\n\n\n<p>Relativ rasch wird deutlich, dass die Normalit\u00e4t Sepp Herbergers nicht mehr die Normalit\u00e4t des aktuellen Zeitgeistes ist. Der Zuschauer erkennt dies sp\u00e4testens, wenn er nach 90 Minuten Spielzeit, der Gewohnheit fr\u00fcherer Jahre folgend, auf den Schlusspfiff wartet. Dieser aber bleibt aus. Statt dessen taucht an der Seitenlinie eine Person mit einer Tafel auf, die beidarmig in die H\u00f6he gehalten wird. Auf ihr leuchtet eine meist gr\u00fcn gef\u00e4rbte Ziffer auf. Angezeigt wird die Zahl jener Minuten, die nachgespielt werden sollen und von den Mannschaften zur Korrektur des Spielstandes genutzt werden k\u00f6nnen. Der Eindruck liegt nahe, dass es sich bei dem \u201eTafelhochhalter\u201c um einen dem Schiedsrichter zuarbeitenden Zeitkontrolleur handelt. Tats\u00e4chlich ist er oder sie aber nur der \u00dcberbringer oder die \u00dcberbringerin der vom Schiedsrichter beziehungsweise der Schiedsrichterin festgelegten Zeit des Nachspielens. Was die Person mit der Tafel betrifft, handelt es sich um die im B\u00fcrokratendeutsch des Fu\u00dfballbundes zum \u201eVierten Offiziellen\u201c promovierte Hilfskraft des Schiedsrichters. In der Spielzeit 2003\/4 eingef\u00fchrt, bewacht sie, wenn sie nicht gerade \u00fcber die L\u00e4nge der Nachspielzeit in Minuten informiert, die Trainer der beiden Mannschaften in ihrem markierten Coaching-Gehege. Seinen ganz gro\u00dfen Auftritt hat der \u201eVierte Offizielle\u201c am Ende beider Spielabschnitte. Zu diesen dramaturgisch hochtemperierten Zeitpunkten taucht er, durchaus vergleichbar dem Deus ex machina in der antiken Trag\u00f6die, wie aus dem Nichts auf, um durch die Gew\u00e4hrung zus\u00e4tzlicher Zeit dem Geschehen auf dem Rasen eine gesteigerte Schlussdramatik zu verleihen. Andere Stadionbesucher erinnert sein Auftritt auch an die schwarz gekleidete Gestalt des Sensenmanns, die man aus sp\u00e4tmittelalterlichen Totentanzdarstellungen kennt. Nur h\u00e4lt er kein Stundenglas in der klapprigen Hand sondern eine Signaltafel mit einer leuchtenden, gemeinhin einstelligen Zahl. Im FIFA-Regel- werk liest sich, was die Dramatik des Spiels in der Realit\u00e4t erh\u00f6ht, einiger- ma\u00dfen sachlich: \u201eDer vierte Offizielle zeigt am Ende der letzten Minute jedes Spielabschnitts an, wie viele Minuten gem\u00e4ss Entscheidung des Schiedsrichters mindestens nachgespielt werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Leuchttafeloffizielle \u2013 ein Titel, mit dem er sich ausschlie\u00dflich in diesem Text schm\u00fccken darf \u2013 schafft eine neue Zeitwirklichkeit. Sie hei\u00dft \u201eNachspielzeit\u201c. Als w\u00e4re er Gottes Praktikant beim Sch\u00f6pfungsvorgang und d\u00fcrfte bei dessen Dramaturgie auch mal ran, schiebt er in der letzten Minute der Spielzeit das Ende der Spielzeit hinaus. Die regelkonforme 90-Minuten Spielzeit ist abgelaufen, beendet aber ist das Spiel nicht. Was aus der zus\u00e4tzlichen Spielzeit gemacht wird, \u00fcberl\u00e4sst das Ordnungspersonal gener\u00f6s den um den Sieg k\u00e4mpfenden beiden Mannschaften. Die Erregungsgemeinschaft auf den Trib\u00fcnen, die sich der Frage verweigert, ob man Zeit hinausschieben kann, darf noch etwas l\u00e4nger hoffen, bangen, schreien, schweigen oder zittern und jene, die ihren Videoalltag \u00fcber die Fernbedienung steuern, werden sich bei der Suche nach einer Fernbedienung er- tappen, mit der sie das eine oder andere fesselnde Ereignis auf dem Spielfeld zu wiederholen versuchen. Das ist dann die Gelegenheit, mal wieder \u00fcber sich selbst zu l\u00e4cheln.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr einen konzentriert-distanzierten Beobachter ist die Reaktion der am Spiel beteiligten Akteure auf den Hinweis des Vierten Offiziellen: \u201eEs gibt 4 Minuten Nachspielzeit\u201c insofern verbl\u00fcffend, weil sie der Resonanz eines folgsamen Befehlsempf\u00e4ngers beim Milit\u00e4r nicht un\u00e4hnlich ist. Zweiundzwanzig Spieler, elf pro Mannschaft, zwei Linienrichter und der fehlbare Schiedsrichter sehen sich aufgefordert, wer wei\u00df, vielleicht sogar gen\u00f6tigt, das vom Reglement auf 90 Minuten festgelegte Spiel um die angezeigten Minuten zu verl\u00e4ngern \u2013 und alle folgen, alle gehorchen sie dem Signal, den Zukunfthorizont ihres Spiels um ein paar Minuten \u201eAusgleichszeit\u201c zu erweitern. Keiner der beteiligten Akteure verl\u00e4sst nach den vereinbarten 90 Minuten den Platz, keiner verabschiedet sich mit dem Hinweis, die vom Regelwerk vorgesehene Spieldauer sei abgelaufen, nicht einer macht sich, auch nicht bei schlechtestem Wetter auf den Weg in die Kabine. Sekundenbruchteile nach den Spielern werden auch die Fu\u00dfballfreunde an ihren Empfangsger\u00e4ten informiert, dass das Spiel um eine \u201eadditional time\u201c (Nachspielzeit.) verl\u00e4ngert wird. Zeitsensible Zuschauer werden in solchen Momenten stutzig, da sie sich mit dem ebenso \u00fcberraschenden wie verwirrenden Sachverhalt konfrontiert sehen, dass, als handle es sich um die normalste Sache der Welt, \u201eZeit\u201c zu einem Ph\u00e4nomen erkl\u00e4rt und dann auch zur Praxis gemacht wird, das man nachspielen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Zeitexperten und aufmerksame Beobachter des Zeitgeschehens, die ihre Neugier zentrieren um herauszufinden, wie das Nachspielen von Zeit funktioniert, welche Regeln daf\u00fcr gelten und wie mit Regelverst\u00f6\u00dfen umgegangen wird, ist das jedoch nicht selbstverst\u00e4ndlich. F\u00fcr sie, die sich in einer einem freundlich zugewandten Ethnologen vergleichbaren Situation sehen, der in afrikanischen Trockenregionen Regent\u00e4nze studiert, um zu verstehen, was sich dabei abspielt, stellt sich die Frage \u2013 vorausgesetzt man m\u00f6chte das neu institutionalisierte Konstrukt \u201eNachspielzeit\u201c nicht f\u00fcr einen humoristischen Einfall des fu\u00dfballbegeisterten Zeitgeistes halten \u2013 l\u00e4sst sich Zeit denn wirklich nachspielen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ist das m\u00f6glich, k\u00f6nnen es nur Menschen? K\u00f6nnten Affen Zeit nachspielen, w\u00e4ren sie Menschen, w\u00e4hrend diejenigen, die es vorgezogen haben, weiterhin Affen zu bleiben, dies mit ihrer Unlust, Zeit nachspielen zu wollen, begr\u00fcnden k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>L\u00e4sst sich Zeit nachspielen?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage hat Ecken und Kanten, Tiefen und Untiefen. Nichts n\u00e4mlich ist uns selbstverst\u00e4ndlicher als die Zeit, selten machen wir ruhelosen Wohlstandsmenschen uns \u00fcber sie jedoch grundlegende Gedanken. Wer es tut und sich nicht scheut, dabei den eigenen Zeithorizont zu \u00fcberschreiten, wird relativ rasch feststellen, dass \u201eZeit\u201c, wie auch die Liebe und das Vertrauen, zu jenen flimmernden, undurchschaubaren und unfassbaren Ph\u00e4nomenen geh\u00f6rt, deren Gehalt und Bedeutung einem mehr und mehr entgleiten je n\u00e4her man ihnen kommt. Dies trifft auch auf das Konstrukt \u201eNachspielzeit\u201c zu. Auch die- se kann, was Aristoteles von der Zeit behauptet, nicht gedacht werden, gibt aber zu denken, setzt sie doch eine Vorstellung von Zeit voraus und unterstellt einen Umgang mit ihr, der sich an der Wirklichkeit des allt\u00e4glichen Zeithandelns st\u00f6\u00dft. Die Frage ob man Zeit nachspielen kann, bringt unsere gewohnte Zeitwahrnehmung und unser traditionelles Zeitdenken ins Wanken und offenbart, dass Uhren nicht nur Zeitmessmaschinen und Gegenst\u00e4nde der Zeitanzeige sind, sondern auch das menschliche Denken und Handeln pr\u00e4gen. Ohne Uhren n\u00e4mlich w\u00e4re alles anders, manches schwerer und komplizierter, vieles aber auch einfacher. \u201eNachspielzeiten\u201c sind in einer Gesellschaft ohne Uhren nicht vorstellbar, denn nachgespielt wird nie Zeit, nachgespielt werden Minuten, also \u201enur\u201c Uhrzeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Was nun bewirkt das Schicksalsdrama \u201eNachspielzeit\u201c? Sie verkompliziert, wie das der franz\u00f6sische Philosoph Sartre auch der Anwesenheit einer zweiten Mannschaft auf dem Platz zuschreibt, das Spielgeschehen. Formal macht sie das durch das Hinausz\u00f6gern des Schlusspfiffs. Dass es, obwohl Schluss ist, weitergeht, verl\u00e4ngert und erh\u00f6ht die Spannung mit Konsequenzen, deren Bewertungen man am n\u00e4chsten Tag in der Zeitung zu lesen bekommt. \u201eEin zweifelhafter Elfmeter in der Nachspielzeit entscheidet das Match,\u201c oder: \u201eSieg \u00fcber die Nachspielzeit gerettet.\u201c Beide Headlines verraten die beabsichtigte Wirkung der Nachspielzeit, den Wunder erm\u00f6glichenden Ergebnis-aufschub. Dieser ist attraktiv, denn, so zwei weitere Trivialerkenntnisse des Fu\u00dfball-Weisen Sepp Herberger: \u201eAbgerechnet wird zum Schluss.\u201c Und: \u201eDie Leute gehen zum Fu\u00dfball, weil sie nicht wissen, wie\u2019s ausgeht.\u201c Wegen der Nachspielzeit wissen die Leute es ein wenig l\u00e4nger nicht, und auch, weil, wie alle Freunde und Freundinnen des Fu\u00dfballspiels wissen, dies ein Spiel mit einem runden Ball ist, bei dem so etwas Unwahrscheinliches wie Last-minute-Tore geschossen werden k\u00f6nnen. Was dann die Zuschauer daran hindert, das Stadion vor dem Schlusspfiff zu verlassen, um auf ihrer Heim- fahrt den Verkehrsstau zu meiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zur Ausgangsposition. Ein Fu\u00dfballspiel dauert bekanntlich 105 Mi- nuten, zweimal f\u00fcnfundvierzig Minuten Spielzeit mit einer viertelst\u00fcndigen<\/p>\n\n\n\n<p>Pause zur H\u00e4lfte. Das war zu jenen Zeiten zumindest so, als Wartende an Bushaltestellen noch Zeitung lasen und nicht mit dem Zeigefinger \u00fcber Smartphones wischten und Sepp Herberger f\u00fcr das Wunder von Bern sorgte. Inzwischen ist es anders. Nur noch in Ausnahmef\u00e4llen, im Profifussball kommt es fast \u00fcberhaupt nicht mehr vor, dauert das Fu\u00dfballspiel 90 Minuten. In einer Regel zur \u201eDauer des Spiels\u201c erkl\u00e4rt der Deutsche Fu\u00dfball-Bund (DFB) unter dem Stichwort Nachspielzeit: \u201eIn jeder Spielh\u00e4lfte wird die Zeit nachgespielt, die verloren geht f\u00fcr Auswechslungen, Verletzungen von Spielern, Transport verletzter Spieler vom Spielfeld, Zeitschinden oder jeden anderen Grund.\u201c Die f\u00fcr die Lebensgestaltung einst unverzichtbare Erwartungssicherheit eines Fu\u00dfballspiels von eineinhalb Stunden plus ca. 15 Minuten Halbzeitpause, ist dahin. Gew\u00f6hnlich dauert die Kickerei heute l\u00e4nger. Halbzeitpause und Nachspielzeit mitgez\u00e4hlt, zwischen 106 und 110 Minuten.<\/p>\n\n\n\n<p>Was absehbar, eventuell auch beabsichtigt war, ist schlie\u00dflich auch eingetreten. Ein Fu\u00dfballspiel besteht heute nicht mehr nur aus zwei Zeitsequenzen, sondern aus drei: den beiden Halbzeiten von je 45 Minuten und der Nachspielzeit. Diese an die Halbzeiten angeh\u00e4ngten Nachspielzeiten sind das zeitorganisatorisch eingel\u00f6ste Versprechen, aus der Spielzeit mehr herauszuholen. Aufgabe der von einflussreichen Fu\u00dfballfunktion\u00e4ren erfundenen und durchgesetzten Verl\u00e4ngerung der Spielzeiten ist es, die durch den Abpfiff markierte Diktatur des letzten Augenblicks, die Zugaben ausschlie\u00dft, durch eine \u201eNach- spielzeit\u201c zu verschieben. Die Nachspielzeit ist so etwas wie die Fortsetzung des Kinofilms nach dem unvermeidlichen Sonnenuntergang. Sie ist eine zeitorganisatorische Neuerung, die die Attraktivit\u00e4t des Spiels mit dem Ball durch ein variables Zeitelement erh\u00f6hen soll. Sie transportiert die in der Erregungs- Gesellschaft bis in die Sph\u00e4ren der Irrationalit\u00e4t reichenden Flexibilit\u00e4ten des Zeithandelns auf den gr\u00fcnen Rasen und bef\u00f6rdert sie von dort wieder zur\u00fcck. Gespielt wird nicht mehr nur mit dem Ball, sondern auch mit der Uhr und ihrer Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSobald das Ergebnis bekannt ist\u201c, schreibt der belgische Autor Jean-Philippe Toussaint \u201everliert jedes Fu\u00dfballspiel sofort allen Reiz\u201c. Die Nachspielzeit verz\u00f6gert diesen Attraktivit\u00e4tsverlust. Sie h\u00e4lt die Spannung nicht nur hoch, sie steigert diese noch. Die Entscheidung \u00fcber Sieg oder Niederlage wird verschoben, die Dramatik der Auseinandersetzung zwischen den Mannschaften verl\u00e4ngert und erh\u00f6ht. In diesen \u201eangeh\u00e4ngten\u201c Minuten steigen die Chancen der Spieler, den Status eines Helden zu erwerben. Der Torsch\u00fctze, der das Spielergebnis in der Nachspielzeit \u2013 90+3 steht dann im Spielbericht \u2013 mit einem Tor \u201edreht\u201c, oder der Torwart, der mit einer Glanzparade den Sieg in letzter Nachspielminute rettet, kann davon ausgehen, am Folgetag im Sportteil der Lokalpresse in einer Schlagzeile gro\u00df rauszukommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Niederlagen, die in der Nachspielzeit zustande kommen, werden in den Medien stets als besonders \u201ebitter\u201c bewertet, Siege hingegen h\u00e4ufig als \u201egl\u00fccklich\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit knackigen Kommentaren ist das dramatische Potential der Nachspielzeit aber noch lange nicht ausgesch\u00f6pft. Falls nicht bereits auf dem Markt, kann man demn\u00e4chst auf YouTube mit einer Zusammenstellung der \u201elegend\u00e4rsten Tore der Nachspielzeit\u201c und der \u201ebittersten Niederlagen in der Nachspielzeit\u201c rechnen und wahrscheinlich auch mit der Wahl des \u201eNachspielzeit-Sch\u00fctzen-k\u00f6nigs\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Attraktiv ist die Nachspielzeit nicht nur, weil sie das Spiel verl\u00e4ngert, was man sich ja nicht von jeder Kickerei w\u00fcnscht, sondern auch aus Gr\u00fcnden, von denen man unterstellen kann, dass sie den f\u00fcr deren Einf\u00fchrung Verantwortlichen nicht pr\u00e4sent waren. Die Attraktivit\u00e4t der Nachspielzeit wird n\u00e4mlich auch von dem Wunsch und dem Streben der Menschen gespeist, die ihnen von ihrer Natur gesetzten Zeitgrenzen zu \u00fcberwinden. Die Idee einer Nachspielzeit n\u00e4hrt sich nicht zuletzt von der Sehnsucht nach einem lebensverl\u00e4ngernden Zeitzuschlag. Diesen hat die Natur dem Homo sapiens, dessen Todesrate heute noch unver\u00e4ndert bei 100% liegt, bisher verweigert. Der Nachspiel-Fu\u00dfball h\u00e4lt den faustischen Traum am Leben, der Tod h\u00e4tte nicht das letzte Wort, die menschliche Verg\u00e4nglichkeit k\u00f6nne, wenn schon nicht \u00fcberwunden, so doch durch einen Zeitzuschlag hinausgez\u00f6gert werden. Das Wissen um unsere Sterblichkeit und die heimliche Erwartung, die menschliche Lebenszeit prolongieren zu k\u00f6nnen, findet im Fu\u00dfballstadion ihre Erf\u00fcllung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Suche nach einem lebensverl\u00e4ngernden Elixir ist so alt wie die Menschheit selbst. Das Zeitkonstrukt \u201eNachspielzeit\u201c reiht sich dabei ein in die nicht selten abenteuerlichen Geschichten von der \u201eKunst, das menschliche Leben zu verl\u00e4ngern\u201c (Christoph Wilhelm Hufeland).<br>Die frohe Botschaft des Fu\u00dfballspiels lautet: Nach dem Schluss geht\u2019s weiter. Das hatte der, was sportliche Aktivit\u00e4ten angeht, eher zur\u00fcckhaltende Ex-Papst Joseph Kardinal Ratzinger vielleicht auch zum Ausdruck bringen wollen, als er vom Fu\u00dfballspiel, das ja auch eine Religion ist, von \u201eeiner Art Heimkehr ins Paradies\u201c sprach. Gehen wir n\u00e4mlich davon aus, dass das Modell \u201eNachspielzeit\u201c auch jenseits der Fu\u00dfballfaszination Realit\u00e4t w\u00fcrde und es sich auf den Lebenslauf \u00fcbertragen lie\u00dfe, w\u00e4ren die Menschen von der Zeitdruck verursachenden Angst befreit, die letzte Gelegenheit verpasst haben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was die Menschen fr\u00fcher in religi\u00f6sen Liturgien gesucht haben, das \u201eGemeinde-Erlebnis\u201c etwa, suchen und finden sie heute im Stadion. Der Rasensport \u00fcbernimmt die soziale Funktion entkr\u00e4fteter kirchlicher Liturgie.<\/p>\n\n\n\n<p>Skeptischer und weniger optimistisch hingegen \u00e4u\u00dferte sich Georg Friedrich Hegel, was das Geschenk zus\u00e4tzlicher Zeit betrifft: \u201eSchon der Versuch, den Tod grunds\u00e4tzlich ein wenig hinauszuz\u00f6gern, muss uns zweifeln lassen, ob eine allgemeine Lebensverl\u00e4ngerung wirklich vern\u00fcnftig ist.\u201c Ein Zweifel, der auch bei der Nachspiel-Verl\u00e4ngerung, beobachtet man ihre Praxis aus der Distanz, hin und wieder seine Berechtigung hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die semantische Piraterie \u201eNachspielzeit\u201c provoziert ein doppeltes R\u00e4tsel. Zum einen ist unklar: L\u00e4sst sich Zeit \u00fcberhaupt nachspielen? Zum anderen stellt sich die Frage: Was ist das eigentlich f\u00fcr eine Zeit, die da nachgespielt wird?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beantwortung der Frage, ob Zeit \u00fcberhaupt nachgespielt werden kann bedarf einer Auskunft dar\u00fcber, wie man eigentlich denken, was man sich vorstellen muss, um auf die Idee einer Nachspielzeit zu kommen? Die Antwort: Man darf in Zeit, wie dies bis zur Erfindung und der raschen Verbreitung der Uhr noch g\u00e4ngige Praxis war, keine himmlische Angelegenheit sehen, sondern muss sie zu einer Sache des menschlichen Willens und Handelns erkl\u00e4ren. Der mit einer Nachspielzeit experimentierende Mensch, muss sich als eine Art \u201eMaschinist\u201c der Zeit verstehen und sich entsprechend verhalten. Er f\u00fchlt sich nicht als ein Opfer des zeitlichen Geschehens, sondern als ein Akteur mit der Zeitmacht \u00fcber Werden und Vergehen. Das ist jedoch eine grandiose Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung.<br>W\u00e4re man tats\u00e4chlich in der Lage, Zeit nachzuspielen, l\u00e4ge es auch auf der Hand, dies nicht nur beim Fu\u00dfballspiel zu praktizieren, sondern auch bei jenem gro\u00dfen Schicksalsspiel, das wir uns \u201eLeben\u201c zu nennen angew\u00f6hnt haben. Dann k\u00f6nnten die Menschen, auf eine \u201eRestlaufzeitverl\u00e4ngerung\u201c hoffen, wie sie sich derzeit manche f\u00fcr einige Atomkraftwerke w\u00fcnschen, oder, das w\u00fcrde vielleicht auf das Interesse des Finanzministers treffen, auf einen zeitlichen Nachtragshaushalt hoffen. Ein \u201eadditional life\u201c au\u00dferhalb des Kinos aber gibt es so wenig wie ein Nachhol- oder ein Zusatzleben. Man kann mit der Zeit nun mal nicht so verfahren wie mit einem Stapel Karten, von dem man bei Bedarf zus\u00e4tzliche abheben kann. So gesehen ist die Zeitinstitution \u201eNachspielzeit\u201c die Erfindung eines regeltechnisch abgesicherten Hoffnungsreservoirs gegen die Verg\u00e4nglichkeit des Lebens. Besser haben es diejenigen, die an ihre Unsterblichkeit glauben, weil die Todessstrafe abgeschafft wurde. F\u00fcr alle anderen, denen dieser Glauben fehlt, weil sie wissen, dass die Natur die Abschaffung der Todesstrafe nicht nachvollzogen hat, wurde als Trost die Nachspielzeit erfunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Nachspielzeit wurde in den Fu\u00dfballarenen dieser Welt eine Wirklichkeit geschaffen, die auch au\u00dferhalb der Stadien den Hoffnungen und Sehns\u00fcchten entgegenkommt, die Zeit nicht immer nur in der Gegenwart leben zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Nachspielzeit unterstellt, sie suggeriert, es sei zumindest beim Fu\u00dfballspiel gelungen, Zeit in Portionen abpacken und zwecks sp\u00e4terer Nutzung und Kompensation zur\u00fcckliegender Vers\u00e4umnisse in die gleicherma\u00dfen unvermeidliche wie p\u00fcnktliche Zukunft zu verschieben. Dabei handelt es sich um die mit der Uhr in die Welt gesetzten Illusion, durch Manipulation der Zeiger auch Zeit verschieben und die Zukunft verf\u00fcgbar machen zu k\u00f6nnen. Hier liegt eine Verwechslung von Zeit und Termin vor. Nur Termine lassen sich verschieben, Zeit nicht. W\u00e4re es anders, w\u00e4re der Zeittraum aller Schneem\u00e4nner und Zeitsparer in Erf\u00fcllung gegangen, Zeit einfrieren und sp\u00e4ter wieder auftauen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht der Sachverhalt, dass das Spiel l\u00e4nger als die einst festgelegten 90 Minuten dauert, verwundert und wirft jene Fragen auf, die hier gestellt werden, fragw\u00fcrdig ist vielmehr, dass der Spielzeit-Verl\u00e4ngerung \u2013 mehr ist es nicht &#8211; im Deutschen der Name \u201eNachspielzeit\u201c verliehen wird. Weder die internationalen noch die nationalen Regelmacher, auch nicht die Kommentatoren von Fu\u00dfballspielen stellen sich oder ihren Mitmenschen die Frage, ob man Zeit nachspielen kann. Sie unterstellen, es sei fraglos m\u00f6glich. Etwas informativer sind ihre Antworten darauf, was eigentlich nachgespielt wird, wenn der Ordnungsh\u00fcter am Seitenrand \u2013 seit der Fu\u00dfballweltmeisterschaft in Frankreich 1998 \u2013 auf einer von ihm hochgehaltenen Leuchttafel ank\u00fcndigt, es w\u00fcrden x Minuten nachgespielt. Auskunftsfreudig ist die \u2013 zugegebenerma\u00dfen h\u00e4ufig sehr \u201efreie Enzyklop\u00e4die Wikipedia.\u201c Beim Aufruf des Stichwortes \u201eNachspielzeit\u201c, ist dort zu lesen: \u201eNachspielzeit ist die Verl\u00e4ngerung des Fu\u00dfballspiels \u00fcber die regul\u00e4re Spielzeit hinaus, um w\u00e4hrend des Spielabschnitts aufgetretene Zeitverluste durch Verletzungen, witterungsbedingte Unterbrechungen oder unzul\u00e4ssige Verz\u00f6gerungen auszugleichen.\u201c In dem vom Lehramt des Weltfu\u00dfballverbandes FIFA erlassenen offiziellen Regelwerk aus 2018\/2019 findet man in der die Spieldauer bestimmenden Regel Nummer 7 zum Thema \u201eNachspielzeit\u201c die Formulierung: \u201eDie in jeder Halbzeit nachzuspielende Zeit liegt im Ermessen des Schiedsrichters. Nachgespielt werden muss in der entsprechenden Halbzeit des Spiels jede verloren gegangene Zeit durch:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Auswechslungen,<\/li>\n\n\n\n<li>Untersuchung und\/oder Abtransport von verletzten Spielern,<\/li>\n\n\n\n<li>Zeitschinden,<\/li>\n\n\n\n<li>Disziplinarmassnahmen,<\/li>\n\n\n\n<li>Trinkpausen (maximal eine Minute) oder Pausen aus sonstigen medizinischen Gr\u00fcnden, die gem\u00e4ss Wettbewerbsbestimmungen zul\u00e4ssig sind oder<\/li>\n\n\n\n<li>Verz\u00f6gerungen aufgrund von Videosichtungen und Video\u00fcberpr\u00fcfungen,<\/li>\n\n\n\n<li>s\u00e4mtliche sonstigen Gr\u00fcnde, einschliesslich etwaiger Verz\u00f6gerungen bei der Spielfortsetzung (z. B. beim Torjubel)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Na ja, das ist doch schon mal eine Auskunft. Damit kann man etwas anfangen! Jetzt wissen wir, was nachgespielt wird, wenn \u201eZeit\u201c nachgespielt wird. Nachspielzeit ist, zumindest kann man es so sehen, eine pauschale Kategorie f\u00fcr Aktivit\u00e4ten, Vers\u00e4umnisse und Unterlassungen, die w\u00e4hrend des Spiels geschehen, aber nicht zum Spiel geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute wird Zeit nicht nur im wahren Leben sondern auch im Spiel zu einer raren Ressource erkl\u00e4rt und das \u201eSpiel mit der Zeit\u201c, was einst zur fraglosen Normalit\u00e4t und zur Unterhaltung z\u00e4hlte, zu einer zu strafenden Handlung gemacht. Diese wird, wie man es vom inakzeptablen \u201eSpiel mit der Zeit\u201c im Schulbetrieb kennt, durch eine Zeitstrafe sanktioniert. Die auf diese Art von Zeitzeugen gezeugte Zeit hei\u00dft in der Schule \u201eNachsitzen\u201c, im Stadion \u201eNachspielzeit\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Spiel mit der Zeit w\u00e4hrend des Spiels mit dem Ball ist also nicht neu und daher auch nicht allzu originell. Die Regelmacher der FIFA haben es bei der disziplinierenden Erziehungspraxis abgekupfert. Ein Beleg, dass die sp\u00e4t- moderne Erregungsgesellschaft vor allem der Substanz ihrer Geschichte und ihrer Geschichten lebt, die sie gerne als \u201eNeuheiten\u201c verkauft. Dies trifft auch auf die \u201eNachspielzeit\u201c zu, die Nachsitzen zu einer spielerischen Angelegenheit macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen Bildungsaktivit\u00e4ten und Rasensport existiert jedoch ein gravierender Unterschied. Im Schulbetrieb m\u00fcssen nur die Regelverletzer nachsitzen, beim Fu\u00dfballspiel hingegen alle an der Kickerei Beteiligten, auch diejenigen, die keine Zeit wegen \u201e\u00fcberm\u00e4\u00dfiger Verz\u00f6gerungen w\u00e4hrend der offiziellen Spielzeit\u201c (FIFA-Reglement) \u201everloren\u201c oder \u201evergeudet\u201c haben. Die Nachspielzeit ist eine Kollektivstrafe f\u00fcr das Zeitschinden und Zeitvergeuden aus taktischen Gr\u00fcnden. Man k\u00f6nnte sich auch eine Alternative vorstellen. Das Fu\u00dfballspiel ist ja \u2013 der Name sagt es \u2013 ein Spiel. Sein Zweck ist Unterhaltung und unterhaltender als die Bestrafung kreativen Zeitschindens ist dessen Belohnung. Wie das Fernsehen den Sch\u00fctzen des \u201eTor des Monats\u201c pr\u00e4miert, so k\u00f6nnte man auch die unterhaltsamste, originellste und theatralischste Zeitschinderei w\u00fcrdigen und das Stadion auf diesem Wege zu einer Art Volkstheater f\u00fcr das St\u00fcck: \u201eZeit von der Uhr nehmen\u201c machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zielrichtung hinter der 1987 im Regelwerk der FIFA erstmalig auftauchenden Neuerung ist eine andere. Sie reicht weit \u00fcber Spielfeldrand und Stadiontore hinaus und hat eine \u00fcber den Ballsport hinausgehende Bedeutung. Das Fu\u00dfballspiel ist n\u00e4mlich ein weit \u00fcber das sportliche Geschehen hinausgehendes Laboratorium \u2013 \u201eSpielwiese\u201c w\u00e4re treffender \u2013 in dem erprobt werden kann, wie das Leben, in unserem Fall das Zeitleben, gestaltet werden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der \u201eNachspielzeit\u201c erprobt der sp\u00e4tmoderne Fu\u00dfball die Zeitdynamiken nachindustrieller Gesellschaften. Er testet sie aus und pr\u00fcft, inwieweit sie auf andere gesellschaftliche Lebenswelten \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen. Bei der \u00dcbernahme des innovativen Zeitexperiments \u201eNachspielzeit\u201c ins Regelsystem des Weltfu\u00dfballverbandes FIFA handelt es sich um ein Unternehmen zur Zeitverdichtung des Spielgeschehens. Zeitverdichtung ist nicht auf das Spiel mit dem Ball begrenzt. Sie kennzeichnet auch den herrschenden Zeitgeist, der Leistungsintensivierung von Handlungsketten, von Eindr\u00fccken, Erfahrungen und Erlebnissen, alles dies, was von Karl Marx als \u201edichtere Ausf\u00fcllung der Poren der Arbeitszeit\u201c beschrieben wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Nachspielzeit, die den Fu\u00dfballern w\u00e4hrend der 90-min\u00fctigen offiziellen Spielzeit mehr Aktivit\u00e4ten zumutet, fungiert, so gesehen, als Schrittmacher eines gesellschaftlichen Trends zur Zeitkompression. \u201eNachverdichtung des Daseins\u201c hei\u00dft das politische Programm auch jenseits des Rasens. Das Spiel soll im Stadion schneller werden, der Ball ununterbrochen \u201eunterwegs\u201c sein: Weniger Dribblings, mehr P\u00e4sse, Verringerung von Unterbrechungen, kein Atemholen, keine ruhenden B\u00e4lle. Die Nachspielzeit, so die Erwartung, kompensiert jene Aktivit\u00e4ten, die vom Schiedsrichter als \u201egeschindete Zeit\u201c, als absichtliche Zeitverz\u00f6gerungen wahrgenommen werden. Spielsequenzen, in denen der Ball ruht, werden als \u201everlorene\u201c, \u201everschwendete\u201c oder \u201evergeudete\u201c Zeiten wahrgenommen und ge\u00e4chtet. Von \u201eZeitverlusten\u201c spricht man, wenn Spieler ausgewechselt und verletzte Spieler behandelt werden m\u00fcssen, aber auch bei l\u00e4nger andauerndem Torjubel. Nachspielzeiten sollen sie aus- gleichen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVerlorene Zeiten\u201c, \u201eZeitverluste\u201c? Was ist das? Gibt es diese wirklich, oder sind sie nur der Geldwirtschaft abgeschaute Konstrukte von Wille und Vorstellung? Einen mit dem Adjektiv \u201eunn\u00f6tig\u201c beschriebenen Zeitverlust gibt es in Wirklichkeit nicht, ihn gibt es so wenig real, wie \u201egesparte\u201c Zeit. Beides sind ausgedachte Wortspiele mit realen Folgen. Ein zeitliches Geschehen, zum Beispiel eine Pause, wird als \u201eVerlust\u201c interpretiert, um damit dann ein anderes zeitliches Konstrukt, das der \u201eNachspielzeit\u201c als Kompensationszeit zu rechtfertigen. Und siehe da, es funktioniert &#8211; auf beiden Seiten der Stadiontore. Die ins Regelwerk \u00fcbernommene Zeitfigur \u201eNachspielzeit\u201c hat das Fu\u00dfballspiel neu erfunden. Es unterscheidet sich vom traditionellen Fu\u00dfballspiel, wie wir dies von den \u201eHelden von Bern\u201c kennen, vor allem durch die Enge der Zeit, durch gr\u00f6\u00dfere Hektik, schnellere Aktivit\u00e4ten, fixere Reaktionen und immerw\u00e4hrenden Zeitdruck. Der Ball muss stets in Bewegung sein, die Spieler m\u00fcssen dem Wahlspruch von Jules Vernes Kapit\u00e4n Nemo \u201eMobilis in mobili\u201c (Beweglichkeit im Beweglichen) folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sieht man sich Aufzeichnungen von Spielen der sechziger\/siebziger Jahre an, kann man auf die Idee kommen, es h\u00e4tte im Fu\u00dfballsport einmal ein Zeitalter der Beh\u00e4bigkeit gegeben. Dagegen ist das, was heute auf dem Rasen geschieht, die pure Tempobolzerei. Der Spielverlauf ist ein pausenloses Geschehen, das sich bruchlos in die Nonstop-Welt unseres medial \u00fcberver- sorgten Alltags einf\u00fcgt in dem Zeitdruck zum Grundrauschen wurde. Typisch daf\u00fcr das Zitat von Pep Gardiola, fr\u00fcher Trainer des FC Barcelona, des FC Bayern M\u00fcnchen und aktuell von Manchester City: \u201eWenn der Arzt sagt, der Spieler ist in acht Wochen wieder fit, will ich ihn in sieben Wochen haben, wenn er sagt, in f\u00fcnf Wochen, will ich ihn in vier Wochen haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen wurde der sp\u00e4tmoderne Zeitdruck-Fu\u00dfball Teil des herrschenden Verdichtungsbetriebes. Was in der \u00d6konomie die fl\u00e4chendeckende Herrschaft des Zeit-ist-Geld-Prinzips ist, ist auf dem Rasen der permanente Ballbesitz. Dabei ist nicht ganz von der Hand zu weisen, dass der forcierten Beschleunigung des Spielbetriebs eine dem das Geld zur Wertform der Zeit eigene Verwechslung von Spielerei und Raserei zugrundeliegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Vieles spricht f\u00fcr die These, im Fu\u00dfballspiel lie\u00dfen sich nicht nur die gro\u00dfen Menschheitsthemen wiederfinden, es w\u00e4re dar\u00fcber hinaus auch eine Art Testgel\u00e4nde f\u00fcr die Erprobung gesellschaftlicher Zeitentscheidungen. Dass dies keine Einbahnstra\u00dfe ist, beweist die zunehmende \u201eFu\u00dfballerisierung\u201c der Kommunikation. Allen voran bedienen sich Politiker und zunehmend auch Politikerinnen des Rasensports als Bild- und Metaphernspender f\u00fcr ihre rhetorischen Auftritte in den Wettkampfst\u00e4tten des Politikbetriebes. Die Formel, \u201egut aufgestellt zu sein\u201c dient ebenso dem Selbstlob wie der Hinweis, politisch \u201ein der Championsleague zu spielen\u201c. Dem politischen Gegner, dem man mit Vorliebe \u201edie gelbe oder die rote Karte\u201c zeigt, wirft man gern vor, in die \u201eAbseitsfalle getappt\u201c zu sein oder ein \u201eOffensivfoul begangen\u201c zu haben. Auch die Metapher von der \u201eNachspielzeit\u201c findet im Politikbetrieb h\u00e4ufig Anwendung, vor allem, wenn Sitzungen oder Gesetzgebungsverfahren zu einem \u201eKampf gegen die Uhr\u201c werden.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den die Zeitspielerei von der H\u00f6he der oberen Trib\u00fcnenr\u00e4nge beobachtenden Stadionethnologen stellen sich weitere grunds\u00e4tzliche Fragen: Was hei\u00dft eigentlich \u201everl\u00e4ngern\u201c, wenn im FIFA-Regelwerk zu lesen ist: \u201eNachspielzeit ist die Ausgleichszeit eines Fu\u00dfballspiels \u00fcber die regul\u00e4re Spielzeit hinaus\u201c? Verl\u00e4ngert die Nachspielzeit das gerade stattfindende Spiel, oder wird die Nachspielzeit, wie ihr Name vermuten l\u00e4sst, nach dem Spiel gespielt? Eine Frage, die sich auch beim p\u00e4dagogischen Vorbild \u201eNachsitzen\u201c stellt. Ist das Nachsitzen ein Teil des Unterrichts, oder handelt es sich um eine Ma\u00dfnahme, die mit diesem nichts zu tun hat?<\/p>\n\n\n\n<p>Geh\u00f6rt die Nachspielzeit zur Spielzeit, obgleich sie doch erst beginnt, wenn die offizielle Spielzeit abgelaufen ist? Fragen \u00fcber Fragen, Unklarheiten \u00fcber Unklarheiten. Antworten darauf k\u00f6nnen nicht abschlie\u00dfend gegeben werden, zumal im Regelbuch des Schweizer Fu\u00dfballverbandes der zugegeben etwas mysteri\u00f6se Hinweis auftaucht: \u201eDen auf vielen Pl\u00e4tzen aufgestellten Grossuhrwerken kommt nur orientierender Charakter zu.\u201c<br>Es sieht ganz so aus, als w\u00e4ren sich die Regelmacher nicht ganz sicher, was sie eigentlich nachspielen lassen sollen, d\u00fcrfen und wollen. Zumal Interpreten des Regelwerks darauf hinweisen: \u201eNormale Verz\u00f6gerungen,\u201c das sind Verz\u00f6gerungen, die zum Spiel geh\u00f6ren, d\u00fcrfen nicht nachgespielt werden, nur \u201everloren gegangene\u201c oder \u201evergeudete\u201c Zeit. \u201eNormale\u201c oder \u201enicht normale\u201c Verz\u00f6gerungen?, wer entscheidet dies mit welchen Argumenten? K\u00f6nnte es nicht sein, und wahrscheinlich ist es auch so, dass, was f\u00fcr den Schiedsrichter \u201evergeudete\u201c Spielzeit ist, f\u00fcr die Spieler produktive Verz\u00f6gerungen sind? Und ganz vielleicht ist die \u201eZeitvergeudung\u201c ja gar keine Vergeudung, sondern dient nur ihrer Verhinderung.<\/p>\n\n\n\n<p>Und noch eine Frage muss gestellt werden: Wer eigentlich garantiert, dass es nicht in erster Linie das Attraktive, das Unterhaltsame, das theatralisch und dramaturgisch Interessante ist, das durch die wirkm\u00e4chtige Definitionsmacht des Schiedsrichters als Zeitverlust diskriminiert wird? F\u00fcr jeden Torjubel, so die bei den Spielleitern kursierende Faustregel, eine Minute Nachspielzeit. Ist das wirklich ernst gemeint? Was soll das, wohin soll das f\u00fchren? Seit wann wird der Zweck der ganzen Veranstaltung, das Toreschie\u00dfen, bestraft? Die nicht selten hemmungslosen Spannungsentladungen nach einem gegl\u00fcckten Torschuss geh\u00f6ren \u2013 falls der Autor dieser Zeilen nicht immer im falschen Stadion sa\u00df \u2013 zum k\u00fcnstlerisch Wertvollsten und Unterhaltsamsten, was der Fu\u00dfball zu bieten hat. Deshalb der Rat: \u201eLiebe Regelmacher, etwas mehr Entspannung t\u00e4te gut! Schaut nicht so oft auf die Uhr, schaut mal wieder auf das Spielfeld und schaut den spektakul\u00e4ren T\u00e4nzen und Inszenierungen dort zu! Dann k\u00f6nnt Ihr vielleicht auch genie\u00dfen, wie es Fu\u00dfballspielern gelingt, das Vertr\u00f6deln und Vergeuden der Zeit, kurzum, das Spiel auf Zeit, zu einer h\u00f6chst anregenden Form der Bewegungs- und der T\u00e4uschungskunst zu entwickeln! Und erinnert Euch daran: Die wirklich gro\u00dfen Leistungen der Menschheitsgeschichte sind nicht entstanden, weil man Zeit gespart oder sie nachgespielt hat, sondern weil man sie verga\u00df und verschwendete.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Fassen wir zusammen und kommen zur Ausgangsfrage: Kann man Zeit nachspielen? Nein, das kann man so wenig wie sie zwecks sp\u00e4terer Verwertung im Tiefk\u00fchlfach einfrieren. Man darf Zeit aber, das zeigt die Praxis, nach- spielen \u2013 wie man vieles andere ja auch darf, das man nicht kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erfinder der \u201eNachspielzeit\u201c unterstellen, es g\u00e4be etwas Gegenst\u00e4ndliches mit dem Namen \u201eZeit\u201c, das man hin- und herschieben kann, obgleich man aus eigener Erfahrung doch wei\u00df, dass Zeit, die heute vergeht, nicht ins Morgen mitgenommen werden kann. Mehr Rationalit\u00e4t als in den Riten und Spr\u00fcchen von Regenmachern ist in der Liturgie des Nachspielrituals beim Fu\u00dfballspiel auch nicht zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um Missverst\u00e4ndnissen vorzubeugen: Die Nachspielzeit ist nicht fragw\u00fcrdig, weil sie das Fu\u00dfballspiel \u00fcber die festgelegten 90 Minuten hinaus verl\u00e4ngert. Fragw\u00fcrdig ist die wunderliche Verwandlung der Spielzeitverl\u00e4ngerung in eine \u201eNachspielzeit\u201c, handelt es sich in Wirklichkeit doch nicht um \u201enach\u201c, sondern um \u201eweiter\u201c gespielte Zeit. Der zutreffende Begriff w\u00e4re eigentlich \u201eVerl\u00e4ngerung\u201c. \u201eVerl\u00e4ngerung\u201c aber, so will es das Regelwerk, ist beim Fu\u00dfballspiel bereits f\u00fcr jene zus\u00e4tzliche Zeit reserviert, die bei einem Unentschieden die Ermittlung eines Siegers m\u00f6glich machen soll. Und deshalb macht man aus ein und demselben Sachverhalt zwei unterschiedliche Zeiten, mit der Folge, dass man in den Montagsausgaben der Tageszeitung so kreative \u00dcberschriften wie: \u201eW\u00e4hrend der Nachspielzeit in die Verl\u00e4ngerung gerettet\u201c, zu lesen bekommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachspielzeiten beweisen, dass das Fu\u00dfballspiel nicht ausschlie\u00dflich ein Spiel mit dem Ball, sondern auch eines mit der Zeit ist. Es geht bei der Kickerei um den Ball um Anfang und Ende, Leben und Tod, Sieg und Niederlage. Die Zuschauer k\u00f6nnen dabei ihre Selbstt\u00e4uschungen, ihre Sehns\u00fcchte, Hoffnungen, W\u00fcnsche und Illusionen pflegen und genie\u00dfen, und sie k\u00f6nnen erfahren, dass ihr Zeiterleben st\u00e4ndig vom Spielstand abh\u00e4ngt, und Zuschauer, die Einsteins Relativit\u00e4tsthorie testen wollen, dar\u00fcber hinaus vom Standpunkt des Beobachters. Sie k\u00f6nnen und d\u00fcrfen mitfiebern, wenn die nach Toren in F\u00fchrung liegende Mannschaft die Grenzen der menschlichen Vorstellungs- kraft strapaziert, und etwas tut, was diese \u00fcberschreitet, n\u00e4mlich \u201edie Uhr herunterspielt\u201c. Und das, w\u00e4hrend die Spitzenverdiener der gegnerischen Mannschaft sich zur gleichen Zeit anstrengen, auch dies \u00fcberschreitet die Grenzen der menschlichen Fantasie, \u201eder Zeit, die sie liegen gelassen haben, hinterher zu hetzen.\u201c Es ist beim Fu\u00dfballspiel so aufregend wie im richtigen Leben: Die einen m\u00fcssen verteidigen, was sie erreicht haben, die anderen daf\u00fcr sorgen, dass sie noch ein paar Chancen haben, Spiel und Leben zu drehen. Der Kosmos, so lehren uns die Physiker, ist vom Zeitpfeil durchdrungen. Sie sehen in ihm eine gro\u00dfe Uhr, die ihre Zeiger weder anhalten noch vor- und auch nicht zur\u00fcckstellen kann. Das ist beim Fu\u00dfballspiel anders. Auf dem Rasen herrscht Chaos und Ordnung, Vernunft und Irrsinn, Gesundheit und Verletzung, Kontinuit\u00e4t und Unterbrechung, Erhabenes und Banales, und es geht dort um Zeiten, die mal \u201enach\u201c und ein andermal \u201everl\u00e4ngert\u201c und \u201eweiter\u201c gespielt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Will man aber in Erfahrung bringen, was wirkliche, echte Nachspielzeit ist, sollte man mal wieder auf einen Friedhof gehen, um jenen nahe zu sein, die dort, gestrichen aus dem G\u00e4stebuch der Zeit, ihre nach oben offene Nachspielzeit zubringen. Die Wahrheit der Nachspielzeit liegt n\u00e4mlich nicht, wie das selbsternannte Experten gern behaupten, auf dem Platz. Sie liegt tiefer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erschienen in Universitas 11\/2022 (Lesezeiten Verlag, Dirk Katzschmann)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bei den meisten Spielen wird es eine Nachspielzeit geben. 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