{"id":3055,"date":"2021-06-15T08:15:36","date_gmt":"2021-06-15T06:15:36","guid":{"rendered":"https:\/\/jonasgeissler.de\/timesandmore\/?p=3055"},"modified":"2022-12-28T12:51:38","modified_gmt":"2022-12-28T10:51:38","slug":"mensch-wie-vergeht-die-zeit-in-starke-eltern-starke-kinder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jonasgeissler.de\/timesandmore\/mensch-wie-vergeht-die-zeit-in-starke-eltern-starke-kinder\/","title":{"rendered":"Mensch, wie vergeht die Zeit? in Starke Eltern &#8211; starke Kinder"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Artikel von Kerstin Hau \u00fcber Jonas Geissler und den Unterschied im Zeitgef\u00fchl zwischen Erwachsenen und Kindern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erschienen in &#8220;Starke Eltern &#8211; starke Kinder,&#8221; Mai 2021<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<div data-wp-interactive=\"core\/file\" class=\"wp-block-file\"><object data-wp-bind--hidden=\"!state.hasPdfPreview\" hidden class=\"wp-block-file__embed\" data=\"https:\/\/jonasgeissler.de\/timesandmore\/wp-content\/uploads\/Hau-Mensch-wie-vergeht-die-Zeit-ohne-Bilder.pdf\" type=\"application\/pdf\" style=\"width:100%;height:600px\" aria-label=\"Einbettung von Hau - Mensch wie vergeht die Zeit ohne Bilder.\"><\/object><a id=\"wp-block-file--media-d9d2177e-7480-4913-afe9-03a8bb8d92c3\" href=\"https:\/\/jonasgeissler.de\/timesandmore\/wp-content\/uploads\/Hau-Mensch-wie-vergeht-die-Zeit-ohne-Bilder.pdf\">Hau &#8211; Mensch wie vergeht die Zeit ohne Bilder<\/a><a href=\"https:\/\/jonasgeissler.de\/timesandmore\/wp-content\/uploads\/Hau-Mensch-wie-vergeht-die-Zeit-ohne-Bilder.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-d9d2177e-7480-4913-afe9-03a8bb8d92c3\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Wir alle unterscheiden uns darin, wie wir Zeit wahrnehmen, erleben und gestalten. Besonders auff\u00e4llig ist der Unterschied aber zwischen Kindern und Erwachsenen. W\u00e4hrend fu\u0308r Kinder Zeit immer verfu\u0308gbar scheint, arbeiten Erwachsene Terminpl\u00e4ne ab und hetzen oft der Uhr hinterher. Je \u00e4lter wir werden, desto schneller scheint die Zeit zu verfliegen. Was beeinflusst unser Zeitempfinden? Wo finden wir Zeit? Was hat sie mit der Natur zu tun? Unsere Autorin Kerstin Hau spu\u0308rt der gro\u00dfen Wandelbaren nach.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Zeitreise ins Jahr 2012. Es ist Februar. Mein Sohn ist dreieinhalb Jahre alt. Auf dem Arm meiner Mutter schaut er aus dem Fenster in den Garten. Sie erkl\u00e4rt ihm, wie die Natur sich ver\u00e4ndert, wenn der Fru\u0308hling kommt. \u201eDie Bl\u00e4tter der B\u00e4ume wachsen und leuchten hellgru\u0308n. \u00dcberall wachsen Blumen und leuchten in bunten Farben.<br \/>Die Blu\u0308ten der Obstb\u00e4ume riechen gut. Das lockt die Bienen und Schmetterlinge an. Der Garten wird bald voller Leben sein.\u201c Mein Sohn zappelt, seine Augen leuchten, er strahlt und ruft: \u201eDas ist sch\u00f6n, Oma! Das will ich jetzt schon! Sofort!\u201c Sie lacht und erkl\u00e4rt ihm, dass das so schnell nicht gehe. Sie mu\u0308ssten warten und geduldig sein. Der Fru\u0308hling komme, aber er brauche noch Zeit. \u201eAber wie lange dauert das?\u201c<br \/>Tja, \u2026<\/p>\n<p>TICK-TACK MACHT DIE UHR<br \/>\u201eDie meisten Menschen halten Zeit fu\u0308r das, was die Uhr anzeigt\u201c, sagt Jonas Gei\u00dfler, Soziologe und Zeitberater in Mu\u0308nchen. \u201eDabei vergessen viele, dass die Uhr eine Erfindung des Menschen ist. Sie ist ein Messger\u00e4t, ein Werkzeug. Mit der modernen Uhr wurde nicht nur die Dauer eines Ereignisses gemessen, sondern auch Arbeitszeit in Geld umgerechnet. Vor ihrer Erfindung ma\u00df sich das Leben am Rhythmus der Jahreszeiten, Sonnenauf- und -untergang. Die gestaltbare Lebenszeit richtete sich nach der Natur. Das ist heutzutage, zumindest in kapitalistischen Wirtschaftssystemen, anders. Die lebensorientierte Arbeitszeit verwandelte sich in arbeitsorientierte Lebenszeit.\u201c Die Uhr entkoppele den modernen Menschen von der Naturzeit. Dazu geselle sich die Annahme, dass es nur eine Zeit gebe. \u201eTats\u00e4chlich\u201c, so Gei\u00dfler, \u201e gibt es viel mehr Zeiten. Die Zeit, bis ein Kind sprechen lernt oder bis es laufen kann, die Zeit, in der aus einer Knospe eine Blu\u0308te wird und ein Apfel heranreift, die Zeit, in der aus Gartenabfall Humus wird. Jedes System und Individuum hat seine eigenen Zeitmuster und Zyklen. Alles unterliegt einem Rhythmus und dieser richtet sich nicht nach dem Takt der Uhr.\u201c Dadurch wird klar, dass es nicht die eine Zeit gibt, sondern eine \u201ebunte Vielfalt real existierender Zeiten\u201c.<\/p>\n<p>LIEBE ZEIT, WAS BIST DU DENN?<br \/>Die Uhr zeigt so wenig die Zeit an, wie die Landkarte eine Landschaft. W\u00e4hrend wir eine Landschaft bereisen und betrachten, ihre einzelnen Elemente sinnlich erfahren, gestaltet sich das Zeit-Erfahren weniger offensichtlich. Der Begriff Zeit scheint auf den ersten Blick eine leere Hu\u0308lse zu sein. Vielleicht hilft aber das Bild der Landschaft:<br \/>Was macht eine Landschaft zur Landschaft? Gru\u0308ne Hu\u0308gel, blaue Berge, bunte Wiesen, nach Harz duftende B\u00e4ume, ein pl\u00e4tschernder Bach, singende V\u00f6gel, weiches Moos. Wer eine Landschaft beschreibt, fu\u0308gt seine Sinneswahrnehmungen, seine Eindru\u0308cke zu einem Gesamtbild zusammen. Niemand k\u00e4me auf die Idee, eine Landkarte mit einer lebenden Landschaft zu verwechseln. Auch Zeit ist keinesfalls ein Ziffernblatt mit Zeigern, angetrieben durch ein R\u00e4derwerk. Sondern<br \/>eine Anordnung von Momenten, Handlungen, Abl\u00e4ufen und Ereignissen, w\u00e4hrend derer wir atmen, riechen, schmecken, fu\u0308hlen, h\u00f6ren, sehen, uns bewegen und uns im Raum wahrnehmen. Zeit besteht aus Zeiten. Sie ist komplex, wir fu\u0308hlen und erleben sie immer und u\u0308berall.<\/p>\n<p>ZEIT EMPFINDEN, ZEIT ERLEBEN<br \/>\u201eVon Geburt an wohnt jedem eine genetisch bedingte ,Uhr\u2018 inne. Das, was wir Zeitgefu\u0308hl nennen, erlernen wir jedoch erst durch die Sozialisation\u201c, erl\u00e4utert Jonas Gei\u00dfler. Dieses Zeitgefu\u0308hl werde vom eigenen Biorhythmus beeinflusst, von unseren Grundbedu\u0308rfnissen und unserem emotionalen Zustand. Sind wir mu\u0308de oder ausgeruht? Hungrig oder satt? \u201eWenn wir gerade eine akute Stressreaktion erleben, herrscht ein anderes Zeitempfinden, als wenn wir entspannt in der H\u00e4ngematte liegen.\u201c Au\u00dferdem, so Gei\u00dfler, \u201ebasiert das Zeitempfinden auf all unseren Erfahrungen.\u201c Deshalb spiele unser Alter eine entscheidende Rolle, ebenso unsere Lebenserfahrungen. Und die Anzahl der Reize, die auf uns einwirkten. Jonas Gei\u00dflers Vater, der bekannte Zeitforscher Karlheinz Gei\u00dfler, stellt in dem gemeinsamen Buch \u201eAlles eine Frage der Zeit\u201c fest: Uhrzeit ist abstrakte Zahlenzeit. Naturzeit ist Erlebniszeit. Er schreibt, dass die evolution\u00e4r gepr\u00e4gten K\u00f6rperzeiten unserem Zeitempfinden, unserem Zeiterleben und unserem Zeitgefu\u0308hl ihre F\u00e4rbung und ihre Gestalt geben. Neben Psychologie, kulturellen Werten und Mustern ist Zeit also auch Biologie. Der Mensch steht nicht au\u00dferhalb der Natur, er ist mit jeder Zelle ein Teil von ihr.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>UHRZEIT-ELTERN UND ERLEBNISZEIT-KINDER<br \/>Kleine Kinder stecken noch nicht im Korsett der Uhrzeit, ganz anders als ihre \u201ever-uhrzeit-lichten\u201c Eltern. Als \u201eErlebniszeit-Typen\u201c haben sie noch eine andere Zeitwahrnehmung, was nicht selten eine Quelle fu\u0308r Konflikte ist. Umso wichtiger (und hilfreicher), wenn Eltern es schaffen, sich in die (Zeiten-)Welt der Kinder hineinzudenken \u2212 raus aus der Uhrzeit, rein in die angeborene Erlebniszeit. Fu\u0308r Erwachsene kann das sogar ein Schlu\u0308ssel zum l\u00e4ngst vergessenen Raum erfu\u0308llter Zeiten werden. \u201eGeld- und Gu\u0308terwohlstand erzeugen wir u\u0308ber das Tun und die Verrechnung von Zeit in Geld\u201c, so Gei\u00dfler. \u201eZeitwohlstand erlangen wir eher u\u0308ber das ,Lassen\u2018 als u\u0308ber das ,Machen\u2018; das ,Sein-lassen\u2018, das ,Sich-ein-lassen\u2018 und das ,Ver-lassen\u2018. Der Zustand, der sich dann im besten<br \/>Fall einstellt, ist Gelassenheit.<\/p>\n<p>Auf dem Weg zu mehr Zeitwohlstand sollten wir pausenlose Aktivit\u00e4t und verdichtete Hetze sein lassen. Denn die Zeiten, die z\u00e4hlen, sind jene, die wir nicht z\u00e4hlen. Wir du\u0308rfen uns darauf verlassen, dass die wesentlichen Elemente des Lebens \u2013 dazu geh\u00f6ren die Liebe, das Vertrauen, die Zuversicht \u2212 entstehen, weil wir sie gerade<br \/>nicht absichtsvoll erzeugen wollen. Und wir du\u0308rfen unser schlechtes Gewissen und die gefu\u0308hlte Ungenu\u0308gsamkeit im Umgang mit Zeit weglassen. Der bewusst gelebte Augenblick, das Aufgehen im Jetzt, ist ein Schlu\u0308ssel zum Zeitwohlstand.1<\/p>\n<p>ES GIBT VIEL ZU TUN \u2026?<br \/>Aufgehen im Jetzt \u2013 eine sch\u00f6ner Gedanke. Aber wie gelingt das in einem Alltag, der bei den meisten bestimmt wird von Kita-\u00d6ffnungs- und Arbeitszeiten, Schulbeginn und -ende, Fahrpl\u00e4nen, Terminen und Verpflichtungen? \u201eWenn wir unser Augenmerk stets auf den Berg an zu erledigenden Dingen richten, resultiert daraus oft ein Gefu\u0308hl der Hetze, des Getriebenseins und der rastlosen Suche nach Dingen, die noch zu tun sind\u201c, meint Jonas Gei\u00dfler. \u201eDiese Beschleunigung fu\u0308hrt zu Entfremdung. Ungeduld und Gereiztheit entstehen.\u201c Darunter leide die innere Verbundenheit zu Menschen, Dingen und Ereignissen, z.B. wenn der Geburtstag des eigenen Kindes nur noch als abzuarbeitender To-Do-Punkt auf der nicht enden wollenden To-Do-Liste erlebt werde. Gei\u00dfler meint, es sei hilfreich eine innere Haltung des In-der-Zeit-Seins einzunehmen, \u201esich in der Zeit erleben\u201c oder \u201edie Zeit auf sich zukommen zu lassen, statt zu versuchen, die Zeit in den Griff zu bekommen, sie zu sparen und zu managen.\u201c Der Zeitberater nennt das die absichtsvolle Absichtslosigkeit oder die entspannte Neugier. Zudem r\u00e4t er: \u201eSch\u00e4rfen Sie den Blick fu\u0308r das, was Sie sein lassen k\u00f6nnen.\u201c Der pers\u00f6nliche Weg zu mehr Gelassenheit und Geduld fu\u0308hre u\u0308ber die innere Haltung und das Weglassen, insbesondere das, was der Zeitvielfalt im Wege stehe. \u201eSich selbst und den Kindern Freir\u00e4ume verschaffen und unverplante Zeit zulassen, darin liegt der Schlu\u0308ssel\u201c, so Gei\u00dfler. Wir sollten uns weniger fragen: Was muss ich alles tun? Sondern eher: Was lass ich alles sein? \u201eMir gef\u00e4llt der Satz: Es gibt viel zu tun, lassen wir es sein.\u201c Nur wenn wir die Anzahl der T\u00e4tigkeiten und Reize begrenzen, stellen sich Momente der Resonanz, Jetzt- Erfahrungen, Mu\u00dfestunden und Flow-Erlebnisse ein. Kurz: Wir erleben eine gute, erfu\u0308llte Zeit, entspannen uns. Das f\u00e4rbt auf unsere Kinder ab.<\/p>\n<p>GELASSENHEIT LERNEN<br \/>Gleichzeitig sollten wir uns zuru\u0308cknehmen und unsere Kinder nicht st\u00e4ndig antreiben, verplanen oder Druck auf sie ausu\u0308ben. Hier hilft es, Kontrolle, Anspru\u0308che und Erwartungen runterzuschrauben. \u201eVom agilen Manifest der Software-Entwicklung wissen wir: Die Planung ist alles, der Plan ist nichts. Das gilt auch fu\u0308rs Familienleben\u201c, sagt der Experte. Es sei ein Unterschied, ob ich rigide an etwas festhalte oder flexibel auf \u00c4nderungen reagiere. \u201eWir machen einen Plan, nehmen uns etwas vor und schauen dann in der Situation, was es tats\u00e4chlich braucht und ob das noch stimmig ist.\u201c Wer f\u00e4hig sei, sich darauf einzulassen, werde automatisch gelassener.<\/p>\n<p>Trotzdem ist es im Alltag oft schwer, den Kopf freizubekommen. \u201eWenn sich die schwirrenden Gedanken der Zukunftsfixierung nicht leicht abschu\u0308tteln lassen, hilft die Be-Sinnung, die Konzentration auf die momentanen Sinneseindru\u0308cke\u201c, so Gei\u00dfler. \u201eWenn ich mu\u0308de von der Arbeit nach Hause komme und merke, dass noch zu viele<br \/>Dinge in meinem Kopf schwirren, aber meine Kinder mich schon freudig begru\u0308\u00dfen, versuche ich mich zu besinnen. Ganz bewusst stelle ich mir die Frage: Was rieche ich gerade? Was h\u00f6re ich? Was sehe ich, wenn ich genau hinschaue? Was fu\u0308hle ich gerade? Da kommt mein Kind. Es macht mir ein Angebot, stellt mir eine Frage, es zeigt mir etwas. Wenn ich mich auf meine eigene Sinneswahrnehmung fokussiere, dann bin ich immer im Jetzt, weil Sinneswahrnehmung immer im Moment stattfindet. Das kann das Schwirren im Kopf reduzieren. Zugleich darf man anerkennen, dass dies nicht immer gelingt \u2013 auch nicht einem Zeitforscher.\u201c<\/p>\n<p>GELEBTE ZEITVIELFALT<br \/>\u201eFamiliensysteme leben von gelebter Zeitvielfalt. Trubel, Ruhe, Hektik, Langeweile und so weiter. Das ist ein Teil der Zeitvielfalt\u201c, so Gei\u00dfler. \u201eAnf\u00e4nge, Abschlu\u0308sse, \u00dcberg\u00e4nge und Rituale geh\u00f6ren dazu. Ebenso Wartezeiten und Geduld.\u201c Ein entspanntes Zusammenleben beginnt mit der eigenen inneren Haltung und dem Wissen<br \/>um Zeitvielfalt. Letztendlich st\u00e4rkt das unsere Widerstandskraft. Dafu\u0308r lohnt es sich, die Uhr so oft als m\u00f6glich aus den Augen zu verlieren und mal wieder zu tr\u00f6deln, zu schlendern, L\u00f6cher in die Luft zu gucken oder gemeinsam dem Fru\u0308hling beim Erwachen zuzusehen. Wie das geht, zeigen uns unsere Kinder. \u25a0<\/p>\n<p>1 oekom Verlag, Interview, Jonas Gei\u00dfler, https:\/\/www.oekom.de\/<br \/>beitrag\/es-wird-zeit-3-fragen-an-harald-lesch-karlheinz-geissler-undjonas-<br \/>geissler-201, abger. 23.03.2021<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>DIE<br \/>ENTWICKLUNG<br \/>VON<br \/>ZEITBEGRIFFEN<\/p>\n<p>Zeitbegriffe entwickeln sich mit zunehmender Reife<br \/>des Kindes. Ihre innere Uhr wird durch wiederkehrende<br \/>Abl\u00e4ufe gepr\u00e4gt1. Ab etwa 6 Monaten erfassen<br \/>Babys zeitliche Zusammenh\u00e4nge durch sich wiederholende<br \/>Abfolgen. Mit einem Jahr k\u00f6nnen sich Kleinkinder<br \/>die Reihenfolge einzelner Handlungen merken,<br \/>mit zwei Jahren haben sie eine vage Vorstellung von<br \/>Davor und Danach. Sie bekommen ein erstes Gefu\u0308hl,<br \/>dass Zeit etwas ausgedehnter ist als Hier und Jetzt.<br \/>Zeitbegriffe wie \u201eMorgen\u201c oder \u201eGestern\u201c kennen sie<br \/>jedoch noch nicht. Ihr Tag teilt sich in Schlafens-, Essens-<br \/>und Spielphasen ein. Diese Tagesstruktur l\u00e4sst<br \/>sie wissen, ob es morgens, mittags oder abends ist.<br \/>Kinder im Alter von etwa drei Jahren k\u00f6nnen ihre<br \/>Bedu\u0308rfnisse kurzzeitig zuru\u0308ckstellen. Sie lernen zu<br \/>warten, auch wenn das meist nur mit Ablenkung gelingt2.<br \/>Vier- bis Fu\u0308nfj\u00e4hrige kennen bereits Zeitr\u00e4ume.<br \/>Sie verstehen, dass etwas beginnt, eine Weile dauert<br \/>und dann endet, beispielsweise ein Spiel oder eine<br \/>Gute-Nacht-Geschichte. Ungef\u00e4hr mit sechs Jahren<br \/>reift das Verst\u00e4ndnis, dass Zeit weitergeht, auch wenn<br \/>sich fu\u0308r das Kind nichts Besonderes ereignet3. Mit dem<br \/>Schuleintritt beginnt die konkrete Uhrzeiterziehung,<br \/>die gegen Ende der Grundschulzeit abgeschlossen ist.<br \/>Neun- bis Zehnj\u00e4hrige verstehen die Zeitbegriffe, die<br \/>Erwachsene benutzen.<\/p>\n<p>1 Fink, Michael, Im Hier und Jetzt. Das Zeitgefu\u0308hl junger Kinder,<br \/>Kleinstkinder 5\/2017, Herder Verlag, www.herder.de\/kk\/<br \/>zeitschrift\/archiv\/2017\/5-2017\/im-hier-und-jetzt-das-zeitgefuehljunger-<br \/>kinder, abger. 26.03.2021<br \/>2 Karr-Meng, Alexandra, Kinder achtsam erziehen, S. 156-158,<br \/>humboldt 2018, ISBN: 978-3-86910-639-7<br \/>3 Reiss, Christina, Wie Kinder ein Gefu\u0308hl fu\u0308r die Zeit entwickeln,<br \/>www.wireltern.ch\/artikel\/wie-kinder-ein-gefuehl-fuer-die-zeitentwickeln-<br \/>1016, abger. 26.03.2021<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>MEHR<br \/>GEDULD \u2026<\/p>\n<p>\u201eWenn man auf Sachen wartet und sie lange nicht<br \/>kommen, dann ist man geduldig\u201c, sagt der siebenj\u00e4hrige<br \/>Robin. \u201eGeduld hat etwas mit Warten zu tun.<br \/>Manchmal wartet man lange, manchmal kurz. Wenn<br \/>ich z.B. auf ein Paket warte und es nicht kommt, dann<br \/>denke ich, ich lass dem Paket einfach noch ein bisschen<br \/>Zeit.\u201c<br \/>Geduld ist die F\u00e4higkeit, eine innere Spannung anzunehmen,<br \/>ohne sich dabei zu \u00e4rgern oder zu verspannen.<br \/>Diese innere Spannung entsteht meistens, wenn<br \/>sich unsere Wu\u0308nsche nicht erfu\u0308llen und diese mit der<br \/>Realit\u00e4t auseinanderklaffen. Zus\u00e4tzlich kommt hinzu,<br \/>dass diese Spannung dann noch durch einen zeitlichen<br \/>Faktor bestimmt wird1.<br \/>Oft fehlt es uns im Alltag an Geduld, wir reagieren<br \/>schnell genervt bis gereizt, wenn \u201edie Dinge\u201c nicht so<br \/>laufen, wie wir sie geplant haben. Aber wie schafft<br \/>man es, geduldiger zu werden? Ein erster Schritt k\u00f6nnte<br \/>darin bestehen, den eigenen Umgang mit Wartezeiten<br \/>zu hinterfragen. Wie geduldig bin ich mit mir und<br \/>anderen? Kann ich es kaum ertragen, wenn ich l\u00e4nger<br \/>als fu\u0308nf Minuten warten muss? Schaue ich dauernd<br \/>auf die Uhr, wenn ich an der Haltestelle stehe oder im<br \/>Wartezimmer sitze? Suche ich im Einkaufsmarkt stets<br \/>die ku\u0308rzeste Warteschlange? Geht mein Puls nach<br \/>oben, gestikuliere ich und schimpfe laut, wenn ich<br \/>im Stau stehe? Oder u\u0308berstehe ich Wartezeiten entspannt?<br \/>Wandle ich die Wartezeit gar in Ressourcenzeit<br \/>um, h\u00e4nge meinen Gedanken nach und sammle<br \/>Kraft? Was bedeutet es eigentlich fu\u0308r mich, gelassen<br \/>und geduldig zu sein? Wie erleben mich meine Kinder?<\/p>\n<p>1 Was ist Geduld? https:\/\/psychologische-praxis-baklayan.de\/<br \/>geduld, abgr. 26.03.2021<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>Kerstin Hau<\/em>, examinierte Physiotherapeutin, studierte<br \/>Media-System-Design und Fachjournalismus. Bekam einen<br \/>Sohn, ist Alumna der Akademie fu\u0308r Kindermedien,<br \/>Absolventin des STUBE-Fernkurs<br \/>Kinder- und Jugendliteratur. Als freie<br \/>Autorin schreibt sie fu\u0308r Zeitschriften und<br \/>Buchverlage. <a href=\"http:\/\/kerstin-hau.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.kerstin-hau.de<\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Artikel von Kerstin Hau \u00fcber Jonas Geissler und den Unterschied im Zeitgef\u00fchl zwischen Erwachsenen und Kindern.\r\nErschienen in &#8220;Starke Eltern &#8211; starke Kinder,&#8221; Mai 2021","protected":false},"author":3,"featured_media":3346,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1,25,15],"tags":[],"class_list":["post-3055","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-ausgewaehlte-beitraege","category-beitrage"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.7 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Mensch, wie vergeht die Zeit? in Starke Eltern - starke Kinder - timesandmore<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/jonasgeissler.de\/timesandmore\/mensch-wie-vergeht-die-zeit-in-starke-eltern-starke-kinder\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Mensch, wie vergeht die Zeit? in Starke Eltern - starke Kinder - timesandmore\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Artikel von Kerstin Hau \u00fcber Jonas Geissler und den Unterschied im Zeitgef\u00fchl zwischen Erwachsenen und Kindern. 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